LegIT

Der volkssprachige Wortschatz der Leges barbarorum

Wörterbuchangabe kolbo (DWB)

Wörterbuch Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971.
Fundstelle Bd. 11, Sp. 1602-1610
Inhalt

kolbe, kolben,m.kolbe,f. , keule u. a. I. Formen und verwandtschaft. a) das m. ist hd. vorwiegend, ahd. cholbo, cholpo, mhd. kolbe m., und noch oberd. wie es scheint nur m.; doch verrät sich in 'clavae cholpo' (l. cholpô) Graff 4, 393 auch ein ahd. starkes fem. cholpa, vielleicht auch in cholbo thyrso, pilo das. b) das fem. ist dagegen md. vorherschend, daher auch im nhd. vorgedrungen, wie denn Stieler, Rädlein, M. Kramer, Steinbach, Frisch nur f. ansetzen; gebraucht wird es von Lessing, Göthe, Voss, Hamann, früher von den Schlesiern, auch im Simpl., bei Luther, doch oft mit dem m. schwankend nach verschiedner anwendung. das md. fem. ist alt bezeugt: clava colva Germ. 9, 29, aber auch colvo fustis 25. auch mnd. kolve f. (und m.?), z. b. Namelos u. Val. 1328. 1958, auch als schwaches fem. 1954. 1431; nnd. kulf f. brem. wb. 2, 892, nl. kolf f., kolve. c) auszerdeutsch nur im scand. norden, altnorw. kólfr m. pfeil, wurfspeer, keule zum werfen (vgl. DWB knüttel 1, a a. e.) und kylfa f. keule, diesz auch kylfi n. Fritzner 378b, altschw. kolfver m. keule, pfeil Rietz 344b, noch schwed. kolf m. kolben, auch pfeil Rietz 344b (vgl. kölva f. 376a), aber dän. kolbe nach dem deutschen, wie poln. russ. kolba f., vielleicht auch litt. kulbẽ f. schlägel. d) wegen der verwandtschaft denkt man zunächst an keule, das im begriffe fast oder ganz gleich ist; denn wie keule bezeichnet kolbe einen knüttel mit dickem ende, und wie dort fällt auch hier das hauptgewicht des begriffs auf das dicke kugelige 'kolbige' ende, das eben selbst kolbe heiszt (wie keule), s. II, 6. so heiszt altn. kylfa am schiffe das ende des kiels das am vordertheil (knopfartig?) emporsteht, s. Egilsson 487b, isl. kólfr wurzelknollen, s. II, 6, c a. e. da nun hinter keule als urspr. form kul, kula zu liegen scheint (skr. gula kugel), so wäre kolbe, kylfa diesz kul durch angesetzten lippenlaut verstärkt; s. weiter II, 9, d, β. e) nebenformen sind mit andrer lautstufe des lippenlauts kolpe, kolpel und kulpe (auch nd.), s. dort; mit dem vocal des letzteren kulb in einem tirol. voc. des 15. jh.: epistrilium est superior pars teli, kulb an dem pfeil Diefenb. nov. gl. 151b; und merkwürdig in Nassau kilbe, auch kölbe mohnkopf und mohn überhaupt, auch speltähre (das kolbige ende des halmes, s. 6, c) Kehrein 223, kilbe wol für külbe, das dann mit nord. kylfa zusammentrifft. das ungebrochene u auch in dem ahd. mannsnamen Chulpinc. ein bair. kolm, flect. kolmen kann nur aus kolbn geworden sein, wie alm aus albn: dann mich die bauren halb zu todt geschlagen, wie man dann die wahrzaichen von den kolmen und stecken noch heutiges tags in meinem kopf sihet. Bacchusia 356; vgl. bair. 15. jh. cholbm Fromm. 4, 291a und pl. kölben sp. 1603 (δ), von kolben als neuem starken nom. (wie gärten). [...]

Letzte Änderung am 06.02.2018 durch V.S.
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