LegIT

Der volkssprachige Wortschatz der Leges barbarorum

Wörterbuchangabe burgundio (RGA)

Wörterbuch Beck, Heinrich/Brather, Sebastian/Geuenich, Dieter/Heizmann, Wilhelm/Patzold, Steffen/Steuer, Heiko: Germanische Altertumskunde Online. Kulturgeschichte bis ins Frühmittelalter - Archäologie, Geschichte, Philologie. (2010). Berlin, Boston: De Gruyter.
Fundstelle Bd. 4
Inhalt

Burgunden: [...] Die älteste Namensform ist das seit Plin. nat. 4, 99, belegte Burgundiones; seit dem 4. Jh. (Amm.) tritt die Form Burgundii auf (Bei Tacitus fehlt dieser VN ganz)[...]. Urspr. Heimat der B. wie der Ostgerm. überhaupt, zu denen sie gehören (die früheste Quelle Plin. nat. IV, nennt sie mit drei anderen Stämmen, darunter den Gutones, als Teil der wandilischen Völkergruppe), ist Skand. Verschiedene Indizien sprechen für eine engere Verbindung der B. mit der Insel Bornholm; ihr Kern bzw. Grundstock stammt wohl von dort, um den sich vermutlich Zuwanderer aus dem skand. Festland und vielleicht auch schon länger auf dem Südufer der Ostsee ansässige Bevölkerungsteile von möglicherweise z. T. westgerm. Herkunft gruppierten. Gegen die Hypothese, nach der SW-Norwegen als Heimat und Bornholm als Zwischenstation der B. zu betrachten sei sind überzeugende Einwände erhoben worden. Im Rahmen der verschiedenen Einwanderungswellen, in denen germ. Stammesgruppen von Skand. nach Mitteleuropa übersiedelten, betraten die B. um 200 bzw. im 2. Jh. v. Chr. das Festland an der Odermündung und setzten sich nach Ausweis der Funde zunächst im w. Hinterpommern fest. Erstmals in der ant. lit. Überlieferung erscheinen sie in ihrem nächsten Siedlungsraum, dem Warthe-Netze-Gebiet ostwärts bis über das Weichselknie hinaus. [...] Als sicher ist hingegen anzusehen, daß sich die B., wenn nicht z. Zt. des Probus, dann doch sehr bald danach der Rhein-Main-Gegend zugewandt haben, um dort das Gebiet einzunehmen, das die Alemannen 259/60, als sie den Limes durchbrachen und sich im Dekumatenland festsetzten, aufgegeben hatten [...]. Feindschaft und Animosität gegenüber den Alem. boten die Grundlage für gute Beziehungen zwischen Röm. und B. Diese reichen wohl schon in den Beginn des 4. Jh. zurück; [...] Doch ließen sich die B. nicht mehr auf die Dauer hinter dem ehemaligen Limes halten, wohl noch in den letzten Jahrzehnten des 4. Jh. - der arch. Befund vermag diese Annahme durchaus zu stützen - konnten sie die damals sich in einer Periode der Schwächung befindenden Alem. aus dem Land zwischen Taunus und Neckar, nach S drängen und ihr eigenes Gebiet bis an den Rhein vorschieben. [...]

Letzte Änderung am 11.01.2018 durch V.S.
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