LegIT

Der volkssprachige Wortschatz der Leges barbarorum

Literatur Niederhellmann, Annette: Arzt und Heilkunde in den frümittelalterlichen Leges. Eine wort- und sachkundliche Untersuchung. (wlitivam / LSax Tit. 5)

Autor Niederhellmann, Annette
Titel Arzt und Heilkunde in den frümittelalterlichen Leges. Eine wort- und sachkundliche Untersuchung.
Weitere bibliographische Angaben Berlin/ New York 1983.
Fundstelle S. 287ff.
Zitat

wlitiwam steht in der Lex Frisionum (Add. Sap. Wulemarus IIIa, 16), der Lex Saxonum (Tit. 5) und der Lex Thuringorum (Tit. 23) für körperliche Entstellungen infolge eines Schlages, die auf die Entfernung von 12 Fuß zu sehen ist. Dabei ist es in der Lex Frisionum als volkssprachige Glosse gekennzeichnet, in den anderen Werken ist es als Lehnwort zu verstehen. Für das Erstglied ergeben sich in der Forschung verschiedene Ansätze: His stellt das Erstglied zu mnd. wlēte 'Wunde, Narbe, Schandmal', wozu auch ae. wlitu 'Wunde, Narbe', lat. vulnus 'Wunde' gehören. Für die Richtigkeit spräche hier die Konnotation des mnd. Wortes, welches in ähnlichen Zusammenhängen wie afries. wlitiwam in anderen Rechtstexten verwendet wurde. Nach der Mehrheit der Forscher gehört wliti- aber zu got. wlits 'Angesicht, Gestalt', afries. ae. wlite, as. wliti 'Angesicht, Aussehen', zur idg. Wurzel *uel 'sehen' und ist auch vorzuziehen, da die Parallelbezeichnungen aus anderen Sprachen inhaltlich und lautlich näher kommen. Wahrscheinlich ist die allgemeine Bedeutung 'Aussehen' von wliti immer mehr auf 'Gesicht' eingegrenzt worden. Das Zweitglied ist vergleichsweise unproblematisch, da es mehrheitlich zu got. Gen. Pl. wammē 'Fleck, Fehl, Schaden', gawamms Gen. Pl. 'befleckt, unrein', aisl. vamm 'Fehler, Gebrechen', ae. wamm 'Fleck, Gebrechen, Unrecht' as. wam 'Übles, Böses' gestellt. Nach Pokorny ist mit Vorbehalten die idg. Wurzel *uem- 'speien, sich erbrechen' anzunehmen. Ingesamt kann der Terminus als 'Verunstaltung des Aussehens' gewertet werden.

Lemmata
  • wlitivam (Lex Saxonum; Lex Frisionum)
  • Werktextstellen
  • LSax Tit. 5, wlitiwam