LegIT

Der volkssprachige Wortschatz der Leges barbarorum

Wörterbuchangabe fridu (DWB)

Wörterbuch Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971.
Fundstelle Bd. 4, Sp. 181-188
Inhalt

friede, m. pax, otium, tranquillitas, tutela. goth. wird εἰρήνη ausgedrückt gavairþi, welches dem ahd. giwurt oblectatio gleicht (Graff 1, 993), aus gafriþôn placare läszt sich aber auch auf ein nomen schlieszen, das wahrscheinlich friþus, gen. friþaus, dat. friþau lautete und dem ahd. fridu, gen. fridô, dat. fridiu entsprach, wofür sich bald der gen. frides, dat. fride einfand; mhd. vride, vrides; alts. frithu, nl. vrede. ags. schwankend friðu m., das einen gen. dat. friða fordert, die doch nicht zu belegen sind und durch friðes, friðe ersetzt werden, daneben freoðo, freod f. engl. erloschen und durch peace vertreten. altn. friðr, gen. friðar, dat. friði, später gleichfalls friðs, frið; schw. frid, fred, dän. fred. neben friðr ist der altn. sprache noch ein anklingendes grið, pl. n. eigen, das auch zu den Angelsachsen vordrang und wiederum pax und securitas aussagt, doch buchstäblich unverwandt sein musz, da fr und gr niemals tauschen. diesem friþus, fridu steht in urverwandten sprachen gar nichts zur seite. der sl. ausdruck ist mir'', lett. meers; ein andrer pokoi, lit. pakajus, das an pax mahnt, aber für ein compositum erklärt und zu einem nirgends erscheinenden koi = quies gehalten wird. pax, pacare, pacisci stimmen zum goth. fahêds gaudium, zu faginôn gaudere, weil friede auch freude, ruhe, wonne ist. man darf also friþus zum ags. frîð, altn. frîðr formosus nehmen und auf einen stamm freiþan, fraiþ, friþum (fridum) rathen, welchem auch freidjan parcere zufällt, ganz wie sich scônôn, schonen, parcere mit scôni, schön, pulcher berührt. höherer zusammenhang mit frei und froh kann nicht wol geleugnet werden. da c und t tauschen, wäre friþôn, freidjan, ahd. frîtan mit parcere selbst zu einen, worauf ich hernach unter 5 zurückkomme. in unserm heutigen friede ist der eindrang des schwachen n sehr störend, abgesehn von der brechung oder dehnung des i in ie (wie in glied, nieder, wieder), wodurch sich friede und das echt diphthongische friedel, ahd. friudil mischen. reinmhd. quellen gewähren überall vride, vrides; allerdings im Anno 340 liest man schon ci vridin, im Alexander 4733 M. = 4580 W.

si ne gëreten neheines friden niet, und Ludwig 5797

dër sprach im sînen friden, wo doch das unmittelbar folgende nu ein n herbeigeführt haben mag, da sonst im gedicht starkes fride, frides waltet. auch nhd. gilt noch friede, friedes bei Niclas von Wyle, Steinhöwel, so viel ich sehe, selbst bei Luther; in folgenden stellen, wo er den gen. 'friedes' schrieb, schwärzen spätere und heutige ausgaben 'friedens' ein: Sir. 47, 17. Luc. 10, 6. Röm. 3, 17. 15, 33. 2 Cor. 13, 11. Eph. 4, 3. 6, 15. 1 Thess. 5, 23. Ebr. 7, 2. 13, 20; wonach man auf das übrige schliesze. Jer. 12, 12 hat auch Bindseil: und kein fleisch frieden haben wird, wol ein druckf., da in andern ausgaben friede steht (doch vgl. DWB zu friden 4, a). auf seine zeitgenossen hatte Luthers sprache groszen einflusz. die frühsten beispiele schwacher form habe ich aus Keisersberg und Aimon angemerkt, vielleicht stehn ihrer auch bei Brant. in Keisersb. bilger 92d häufen sich mehrere, sogar im nom. heiszt es: wenn das end, das do nachvolgt der erstrittung und uberkummung der tugenden ist frieden; habent friden und der gott des fridens und der liebe wirt bei euch sein. pred. 68b; lieben brüder habend friden und der gott des fridens wird in euch wonen. seelenpar. 69b; do sprach er, mein friden verlasz ich euch. narrensch. 98b; hör was got in dir redt, schick dich darz, warz dich got der herr treibt, er treibt dich z friden. was fridens? das du ein versamlet gemüt habest und bei dir selber bleibest. has im pf. Bb 3a. er ist fridens mit dem keiser uns zu zerstören und verdreiben eingangen (hat fr. mit dem k. geschlossen). Aimon g 6b, und in viel andern stellen, wogegen Steinhöwel im Es. 20 (1555): die torechten schaf giengen des frides in mit den wölfen; im kriegbuchlein des frides heiszt es bl. 3 allen kindern des friedens. namentlich neigt Fischart schon zur schwachen form. sicher lassen sich noch mehr fälle beibringen. dem heutigen sprachgefühl, abweichend von dem des 16 jh., ist es nicht mehr möglich dem gen. friedens zu widerstehen, aber der nom. darf noch friede lauten und wir folgen der analogie von wille, willens, glaube, glaubens, obschon sie nicht genau trift, weil fridu ein starkes wort, willo, giloubo schwach sind. die nominative frieden, willen, glauben sind zu meiden und stehn ab von den organischen morgen, wagen; das 16 jh. stumpfte häufig friede in fried, wie wir jetzt selten thun, auszer in fügungen wie fried und freundschaft, fried und einigkeit. selbst das nnl. vrede hat das schwache n von sich abgehalten, und macht den gen. vredes. bedeutungen, redensarten.

Letzte Änderung am 24.01.2018 durch V.S.
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