LegIT

Der volkssprachige Wortschatz der Leges barbarorum

Wörterbuchangabe mannitio (RGA)

Wörterbuch Beck, Heinrich/Brather, Sebastian/Geuenich, Dieter/Heizmann, Wilhelm/Patzold, Steffen/Steuer, Heiko: Germanische Altertumskunde Online. Kulturgeschichte bis ins Frühmittelalter - Archäologie, Geschichte, Philologie. (2010). Berlin, Boston: De Gruyter.
Fundstelle Bd. 17
Inhalt

Ladung: Mit der L. des Beklagten oder des Beschuldigten beginnt grundsätzlich jedes Gerichtsverfahren. Durch sie wird der Gegner nicht nur aufgefordert, zum Gerichtstermin zu erscheinen, sondern ihm wird damit auch die Möglichkeit zur Verteidigung gegeben. Insoweit ist die L. notwendige Voraussetzung für das rechtliche Gehör. [...] Erste bruchstückhafte Regelungen der L. im germ. Raum stammen aus merow. und karol. Zeit. Danach erfolgte die L. (mannitio) vor das Thing (Ding) als Gerichtsinstanz (mallum) (Mallum) nicht von Amts wegen, sondern durch den Kläger unter Hinzuziehung von Zeugen im Hause des Beklagten (Lex Salica, hrsg. von Geffcken, c. I § 3: Et ille qui alium mannit cum testibus ad domum illius ambulare debet …). Daß die L. durch eine feierliche Formel erfolgen mußte, läßt sich zwar nicht belegen, ist aber zu vermuten. Demgegenüber erscheint es als zweifelhaft, ob für die mannitio auch symbolische Handlungen, wie z. B. die Übergabe eines Schwurstäbchens (fistuca), erforderlich waren. [...]

Letzte Änderung am 15.01.2018 durch V.S.
Link http://www.degruyter.com/view/GAO/RGA_3196
Lemmata